Führung auf der nächsten Stufe · Laterale Führung
Bisher ging es immer um Führung mit einer formalen Rolle: nach unten, durch Führungskräfte hindurch oder in der Sandwich-Position zwischen den Ebenen. Doch ein großer Teil der Führung im Alltag läuft ganz ohne formale Macht. Du musst Menschen bewegen, über die du gar keine Weisungsbefugnis hast: gleichgestellte Kollegen, andere Abteilungen, Projektbeteiligte, externe Partner.
Das nennt man laterale Führung, Führung zur Seite. Und sie ist eine eigene Kunst, denn hier kannst du nichts anordnen. Wer es trotzdem mit Druck oder dem Verweis auf Zuständigkeiten versucht, läuft auf. Wirkung entsteht auf anderem Weg: über Vertrauen, Verständigung und ein kluges Geben und Nehmen. Schauen wir uns an, warum Beziehungen deine eigentliche Währung sind, wie du über gemeinsame Ziele und Argumente überzeugst und wie du auch ohne Macht führst.
Wo du nicht anordnen kannst, entscheidet nicht deine Position, sondern deine Beziehung. Die deutsche Managementlehre beschreibt laterale Führung als Führen über drei Wege: Verständigung, Vertrauen und Macht, wobei bei fehlender Weisungsbefugnis vor allem die ersten beiden zählen. Verständigung heißt, eine gemeinsame Sicht auf Ziel und Nutzen herzustellen. Vertrauen heißt, dass die anderen sich auf dich verlassen und gern mit dir arbeiten. Wer das aufbaut, braucht keine Weisungsbefugnis. Wer es dagegen mit Druck versucht, erreicht bestenfalls Dienst nach Vorschrift und verspielt die Zusammenarbeit für das nächste Mal.
Das Wort „lateral“ kommt vom lateinischen „latus“, „die Seite“. Laterale Führung ist also im Wortsinn Führung zur Seite, nicht von oben nach unten, sondern auf gleicher Höhe. Das verändert alles: Wer neben dir steht, folgt dir nicht, weil du über ihm stehst, sondern nur, wenn er will. Genau deshalb geht es bei lateraler Führung nicht um Rang, sondern um Beziehung. Zur Seite führt man nicht mit Befehlen, sondern mit Überzeugung und Vertrauen.
In der lateralen Führung bezahlst du nicht mit Anweisungen, sondern mit Beziehungen. Und diese Währung muss man ansparen, bevor man sie ausgibt. Wer erst dann auf andere zugeht, wenn er etwas braucht, wirkt durchschaubar und bekommt wenig. Wer dagegen über die Zeit ein Netz aus tragfähigen Beziehungen pflegt, durch Verlässlichkeit, Hilfsbereitschaft und echtes Interesse, kann darauf zurückgreifen, wenn es darauf ankommt.
Ein einfacher, aber mächtiger Mechanismus dahinter ist die Gegenseitigkeit: Wer anderen hilft, dem wird eher geholfen. Dieses faire Geben und Nehmen ist einer der stärksten Hebel überhaupt. Wenn du Kollegen und andere Abteilungen unterstützt, ohne sofort eine Gegenleistung zu verlangen, baust du ein Guthaben auf. Wichtig ist nur, dass es echt bleibt und nicht zum kalten Kalkül wird, denn den Unterschied zwischen ehrlicher Hilfsbereitschaft und berechnendem Tauschgeschäft spüren Menschen sofort.
Wo du nicht anordnen kannst, führst du mit Beziehung und Vertrauen. Diese Währung musst du ansparen, bevor du sie brauchst.
Drei Dinge geben dir Wirkung ohne Macht.
Bau Vertrauen auf, bevor du etwas brauchst. Ein Netz tragfähiger Beziehungen ist deine wichtigste Ressource.
Mach sichtbar, was für die andere Seite dabei drin ist. Menschen folgen einem Ziel, nicht einer Zuständigkeit.
Hilf anderen, ohne sofort etwas zu verlangen. Wer gibt, darf später auch bitten.
„Ohne Weisungsbefugnis kann ich sowieso nichts durchsetzen.“ Diese Ausrede unterschätzt, wie viel über Beziehung und Überzeugung geht. Tatsächlich wird ein Großteil der wichtigen Arbeit in Organisationen lateral erledigt, über Abteilungsgrenzen und Hierarchien hinweg, ganz ohne formale Macht. Wer sich hinter der fehlenden Zuständigkeit versteckt, gibt seinen Einfluss freiwillig ab. Wer dagegen lernt, über Vertrauen, gemeinsame Ziele und faires Geben und Nehmen zu wirken, bewegt oft mehr als mancher mit formaler Macht.
Eine Projektleiterin sollte ein Vorhaben stemmen, für das sie Leute aus mehreren Abteilungen brauchte, über die sie nichts zu sagen hatte. Statt auf ihre Projektrolle zu pochen, investierte sie zuerst in die Beziehungen: Sie hörte zu, verstand die Interessen der anderen Abteilungen, half, wo sie konnte, und machte den gemeinsamen Nutzen sichtbar. Als sie schließlich um Unterstützung bat, sagten fast alle zu, nicht weil sie mussten, sondern weil sie wollten. Ohne eine einzige Anweisung hatte sie ein bereichsübergreifendes Team zum Laufen gebracht.
Es geht um Beziehung, Nutzen und Ehrlichkeit. Vier Dinge helfen dir.
Pflege Beziehungen frühzeitig. Bau Vertrauen auf, lange bevor du etwas brauchst. Wie Vertrauen überhaupt entsteht, zeigt das Kapitel Vertrauen im Team aufbauen.
Setz bei den Interessen der anderen an. Zeig den Nutzen für die andere Seite, nicht nur deinen. Wie du Menschen dort abholst, wo sie stehen, zeigt das Kapitel Die Persönlichkeiten im Team verstehen.
Überzeuge, statt Druck zu machen. Ehrliche Argumente wirken, Manipulation zerstört Vertrauen. Wie du klar und fair überzeugst, zeigt das Kapitel Wie du schwierige Botschaften klar und fair überbringst.
Such gemeinsame Ziele. Ein geteiltes Ziel verbindet über Grenzen hinweg. Wie du mit Zielen führst, zeigt das Kapitel Wie du mit Zielen führst, die wirklich ziehen.
Denk an eine Person oder Abteilung, deren Zusammenarbeit du bald brauchen wirst. Investiere jetzt, bevor du etwas benötigst, in die Beziehung: Hör zu, hilf, wo du kannst, zeig echtes Interesse. Dieses Guthaben ist es, auf das du später zurückgreifst, wenn du ohne formale Macht etwas bewegen musst.
Führung ist eine Reise, und du sitzt selbst am Steuer. Laterale Führung ist wie eine Kreuzung ohne Ampel, an der du keine Vorfahrt hast. Du kannst nicht einfach durchfahren und erwarten, dass alle bremsen. Stattdessen kommst du durch, indem du Blickkontakt aufnimmst, dich verständigst und kooperierst, mal lässt du den anderen vor, mal winkt er dich durch. Wer sich einfach die Vorfahrt nimmt, riskiert den Zusammenstoß. Wer sich verständigt, kommt sicher und gemeinsam voran.
Ob nach oben, unten, zur Seite oder ohne Macht, all diese Führungsformen brauchen am Ende etwas, das sie zusammenhält und trägt: einen Sinn, ein Warum, das größer ist als die einzelne Aufgabe. Wie du mit Sinn und Purpose führst und Menschen ein Wofür gibst, das sie über sich hinauswachsen lässt, das schauen wir uns als Nächstes an.

Jeder Artikel hier ist eine Etappe auf deiner Reise. Der Kompass zeigt dir, wo du gerade stehst und wohin es als Nächstes geht.
Du bist hier: Führung auf der nächsten Stufe, laterale Führung.
Dein nächster Schritt: Investiere jetzt in eine Beziehung, die du bald brauchen wirst, bevor du etwas benötigst: zuhören, helfen, Interesse zeigen.
Kostenlosen Führungs-Check machen →Laterale Führung ist Führung zur Seite, also das Führen von Menschen, über die man keine formale Weisungsbefugnis hat. Das betrifft zum Beispiel die Zusammenarbeit mit gleichgestellten Kollegen, anderen Abteilungen, Projektbeteiligten oder externen Partnern. Weil man hier nicht anordnen kann, muss man auf anderem Weg Wirkung entfalten: über Vertrauen, gemeinsame Ziele, gute Beziehungen und überzeugende Argumente. Laterale Führung ist damit eine der anspruchsvollsten, aber auch wichtigsten Führungsformen, gerade in einer Arbeitswelt mit vielen Projekten und Schnittstellen.
Vor allem über Beziehung, Vertrauen und gemeinsame Ziele statt über Anordnung. Bau tragfähige Beziehungen auf, bevor du etwas brauchst, denn wer sich kennt und vertraut, hilft einander eher. Mach das gemeinsame Ziel sichtbar und zeig, was für die andere Seite dabei drin ist. Überzeuge mit guten Argumenten, statt Druck zu machen, und pflege ein faires Geben und Nehmen. Wer anderen hilft, kann auch um Hilfe bitten. In der lateralen Führung sind Beziehungen und Glaubwürdigkeit deine wichtigste Währung.
Weil sie die Währung sind, mit der man ohne formale Macht etwas bewegt. Wenn du nicht anordnen kannst, hängt viel davon ab, ob die anderen dir vertrauen, dich schätzen und gern mit dir zusammenarbeiten. Gute Beziehungen entstehen nicht im Moment des Bedarfs, sondern lange vorher, durch Verlässlichkeit, Hilfsbereitschaft und echtes Interesse. Wer erst dann auf andere zugeht, wenn er etwas braucht, hat schlechte Karten. Wer dagegen über die Zeit ein Netz aus tragfähigen Beziehungen aufbaut, kann darauf zurückgreifen, wenn es darauf ankommt.
Es beschreibt die einfache, aber wirksame Regel der Gegenseitigkeit: Wer anderen hilft, dem wird eher geholfen. In der lateralen Führung ist dieses faire Geben und Nehmen ein zentraler Hebel. Wenn du Kollegen und andere Abteilungen unterstützt, ohne sofort etwas zu verlangen, baust du Guthaben auf, auf das du später zurückgreifen kannst. Wichtig ist, dass es echt und fair bleibt und nicht zum reinen Kalkül wird. Menschen spüren den Unterschied zwischen ehrlicher Hilfsbereitschaft und berechnendem Tauschgeschäft.
Indem du bei ihren Interessen ansetzt, nicht bei deinen. Zeig, was die andere Seite von einer Zusammenarbeit hat, und mach das gemeinsame Ziel sichtbar. Argumentiere nachvollziehbar und ehrlich, statt Druck oder Tricks einzusetzen, denn wer sich manipuliert fühlt, macht dicht. Hör zu, nimm Einwände ernst und suche Lösungen, die für beide passen. Und stütze dich auf die Beziehung und deine Glaubwürdigkeit: Wer als verlässlich und fair bekannt ist, überzeugt allein dadurch schon leichter. Überzeugung ohne Macht lebt von Vertrauen und echtem Nutzen für beide Seiten.
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