Persönlichkeit · Dein Team verstehen

Die Persönlichkeiten im Team verstehen: warum der eine Sicherheit braucht und der andere Freiheit

Ganz am Anfang unserer Team-Etappen stand ein Satz: Um aus einer Gruppe ein Team zu machen, musst du zuerst die einzelnen Menschen verstehen. Vertrauen, die Phasen der Entwicklung, klare Rollen, all das haben wir uns angeschaut. Jetzt kehren wir zu dieser ersten Bedingung zurück, der wichtigsten und zugleich am häufigsten übersprungenen: den Menschen selbst.

Denn vieles, was im Team nach Streit aussieht, ist in Wahrheit gar kein Streit. Es ist ein Unterschied in der Persönlichkeit. Der eine braucht Sicherheit und will alles dreimal prüfen, der andere braucht Freiheit und wird nervös, wenn es sich zieht. Wer das versteht, hört auf, Verhalten persönlich zu nehmen, und fängt an, es zu lesen. Schauen wir uns an, wie das geht, ohne irgendjemanden in eine Schublade zu stecken.

Das Wichtigste in Kürze

Reibung ist oft nur ein Unterschied in der Brille

Zwei Leute schauen auf dasselbe Ergebnis. Der eine nennt es „gründlich", der andere „viel zu langsam". Beide haben recht, sie schauen nur aus einer anderen Richtung. Jeder von uns trägt eine unsichtbare Brille, durch die er die Welt betrachtet, und bei jedem ist sie ein bisschen anders geschliffen. In der Persönlichkeitsforschung ist man sich an einem Punkt einig: Das sind keine festen Typen, sondern die beiden Enden einer Skala, und die allermeisten Menschen leben irgendwo dazwischen.

Für dich als Führungskraft steckt darin viel. Wenn du weißt, dass dein Gegenüber die Kreuzung schlicht aus einem anderen Winkel sieht, hörst du auf, sein Verhalten als Angriff oder Bequemlichkeit zu deuten. Das ist der Unterschied zwischen „der stellt sich mal wieder an" und „aha, der tickt hier einfach anders als ich".

Prinzip

An einer Persönlichkeit ist nichts gut oder schlecht. Jede Ausprägung hat ihren Platz, und ein starkes Team lebt von der Mischung.

Fünf Dimensionen als Brille fürs Team

Um Menschen zu lesen, brauchst du kein Bauchgefühl-Rätselraten. Die Persönlichkeitsforschung hat fünf große Dimensionen herausgearbeitet, auf denen sich Persönlichkeit erstaunlich vollständig beschreiben lässt, bekannt unter dem Kürzel O.C.E.A.N. Wichtig ist: Niemand ist einfach „hoch" oder „niedrig". Jeder steht irgendwo zwischen den Polen, und beide Enden haben ihren Wert im Team.

Offenheit

Von neugierig auf Neues bis verlässlich beim Bewährten. Fürs Team: der eine bringt Ideen, der andere sichert, was schon funktioniert.

Gewissenhaftigkeit

Von gründlich und strukturiert bis flexibel und schnell. Fürs Team: der eine findet die Fehler, der andere bringt die Dinge fertig.

Extraversion

Von energiegeladen nach außen bis ruhig und nach innen gewandt. Fürs Team: der eine füllt den Raum, der andere denkt in Ruhe zu Ende.

Verträglichkeit

Von warm und harmoniesuchend bis klar und sachlich. Fürs Team: der eine baut Brücken, der andere spricht Unbequemes aus.

Emotionale Stabilität

Von gelassen bis wachsam für Risiken. Fürs Team: der eine ist der Ruhepol, der andere das Frühwarnsystem, das Gefahren früh sieht.

Fällt dir etwas auf? Jede rechte Spalte ist genauso wertvoll wie die linke. Der vorsichtige Kollege, den der schnelle für einen Bremser hält, ist oft genau der, der die teuren Fehler findet, bevor sie passieren. Deshalb ist die Frage nie, wer die „richtige" Ausprägung hat, sondern wie die Ausprägungen im Team zusammenspielen.

Warum ein Team die Unterschiede braucht

Irrtum

„Das ideale Team besteht aus lauter Machern, die überall stark sind." In Wahrheit hat ein Team aus lauter gleichen Persönlichkeiten überall dieselben blinden Flecken. Stärke entsteht aus der Ergänzung: Wo der eine wegschaut, schaut der andere hin. Ein Team aus fünf Gaspedalen und keiner Bremse fährt schnell, aber selten lange.

Diese Unterschiede haben natürlich auch einen Preis. Wo Persönlichkeiten sich ergänzen, reiben sie sich zuerst einmal. Der Gründliche und der Schnelle gehen sich anfangs auf die Nerven. Genau hier ist deine Führung gefragt: nicht die Unterschiede einebnen, sondern sie übersetzen. Wenn beide verstehen, dass der andere nicht böswillig ist, sondern schlicht anders tickt, wird aus Reibung Ergänzung.

Vom Verstehen zum Führen

Sobald du die Brille kennst, durch die jemand schaut, kannst du ihn dort abholen, wo er steht. Dem Sicherheitsbedürftigen gibst du Klarheit und Zeit, dem Freiheitsliebenden gibst du Spielraum und ein Ziel. Du verteilst Aufgaben nicht mehr nach dem Zufall, sondern nach Stärken: die kniffelige Prüfung an den Gründlichen, den Kundentermin an den, der auf Menschen zugeht, die kreative Frage an den Ideengeber.

Wenn du die Persönlichkeiten in deinem Team nicht mehr raten, sondern wirklich verstehen willst, hilft ein Modell, das Menschen nicht in Schubladen steckt, sondern auf Skalen abbildet. Genau dafür ist Deep O.C.E.A.N.® gedacht: als Werkzeug, das dir und deinen Leuten zeigt, wie ihr tickt, ganz ohne zu bewerten. Deine eigene Persönlichkeit hast du vielleicht schon im Kapitel Persönlichkeit und Führung kennengelernt; hier geht es darum, dieselbe Brille für dein Team zu nutzen. Einen schnellen ersten Eindruck gibt der Führungs-Check, die Wissenschaft dahinter steht auf einer eigenen Seite, und auch in den kostenlosen Ressourcen findest du Material, das du direkt im Team einsetzen kannst.

Zum Mitnehmen

Nimm dir zwei Menschen in deinem Team, die sich immer wieder reiben. Überleg einmal ehrlich: Ist das wirklich ein Konflikt, oder sind es zwei unterschiedliche Ausprägungen, die aneinandergeraten? Und was wäre, wenn du beiden zeigst, welche Stärke der andere ins Team bringt?

Das ist ein Stück deiner Reise

Führung ist eine Reise, und du sitzt dabei selbst am Steuer. Ein Team ist wie eine Mannschaft in verschiedenen Fahrzeugen: der eine im wendigen Flitzer, der andere im schweren, sicheren Laster, der dritte im geländegängigen Allrad. Kein Fahrzeug ist das beste, jedes ist für eine andere Strecke gemacht. Deine Aufgabe ist nicht, alle ins gleiche Auto zu setzen, sondern jedem die Strecke zu geben, auf der er am besten fährt.

Ein solches Modell ist ein starkes Werkzeug, aber es ist eben nur das: ein Werkzeug. Es beschreibt Tendenzen, keine Festlegungen, und es hat Grenzen, die man kennen sollte, damit man es nicht überdehnt. Was ein Persönlichkeitsmodell wirklich kann und wo es aufhört, das schauen wir uns im nächsten Kapitel ehrlich an.

Reise-Kompass der Leadership-Wissensdatenbank
Reise-Kompass

Jeder Artikel hier ist eine Etappe auf deiner Reise. Der Kompass zeigt dir, wo du gerade stehst und wohin es als Nächstes geht.

Du bist hier: Persönlichkeit, dein Team verstehen.

Dein nächster Schritt: Deute eine wiederkehrende Reibung im Team einmal als Unterschied in der Persönlichkeit, nicht als Konflikt.

Kostenlosen Führungs-Check machen →
← Ein Stück zurückKlare Rollen und Transparenz im TeamEin Stück weiter →Bald: Was ein Persönlichkeitsmodell kann und was nicht
… in deiner Reise …

Häufige Fragen

Woran erkenne ich die Persönlichkeit eines Teammitglieds?

An wiederkehrenden Mustern: Sucht jemand eher Neues oder Bewährtes, Tempo oder Gründlichkeit, Nähe oder Ruhe, Harmonie oder Klartext, Gelassenheit oder Wachsamkeit? Diese Muster zeigen sich über viele Situationen hinweg und sind verlässlicher als ein einzelner Eindruck.

Warum führt Persönlichkeit im Team zu Konflikten?

Weil unterschiedliche Ausprägungen dieselbe Lage unterschiedlich bewerten. Was für den einen „gründlich" ist, ist für den anderen „zu langsam". Das wirkt wie Streit, ist aber ein Unterschied in der Wahrnehmung. Wer das versteht, löst den halben Konflikt allein durch Übersetzung auf.

Sollten alle im Team ähnlich ticken?

Nein. Ein Team aus lauter gleichen Persönlichkeiten hat überall dieselben blinden Flecken. Stärke entsteht aus der Ergänzung: Der Vorsichtige findet die Fehler des Mutigen, der Ruhige gleicht den Lauten aus. Ein gutes Team lebt von der Mischung.

Was ist das Big-Five-Modell (O.C.E.A.N.)?

Es ist das am besten erforschte Persönlichkeitsmodell der Psychologie und beschreibt Persönlichkeit auf fünf Dimensionen: Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und emotionale Stabilität. Statt fester Typen zeigt es für jede Dimension, wo jemand zwischen den beiden Enden einer Skala steht. Mehr dazu auf der Seite zur Wissenschaft.

Wie führe ich Menschen mit unterschiedlichen Persönlichkeiten?

Indem du jeden dort abholst, wo er steht: dem Sicherheitsbedürftigen Klarheit und Zeit geben, dem Freiheitsliebenden Spielraum und ein Ziel. Und indem du Aufgaben nach Stärken verteilst, statt von allen dasselbe zu erwarten. Führung heißt hier: übersetzen, nicht gleichmachen.

Du willst dein Team wirklich verstehen und jeden nach seinen Stärken führen, statt gegen die eigene Persönlichkeit? Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir uns an, wie Deep O.C.E.A.N. dir und deinem Team dabei helfen kann. Kostenloses Erstgespräch →