Teamführung · Generationen

Verschiedene Generationen im Team führen: von Babyboomer bis Gen Z

Im letzten Kapitel ging es darum, Warnzeichen früh zu erkennen. Dabei ist eines klar geworden: Ein Team besteht aus lauter verschiedenen Menschen. Und heute sitzen dort oft vier Generationen an einem Tisch, vom erfahrenen Babyboomer bis zur jungen Kollegin aus der Gen Z. Über kaum etwas kursieren so viele Klischees.

Die einen gelten als veränderungsresistent, die anderen als faul und illoyal. Genau diese Schubladen machen die Zusammenarbeit schwer, und das Verrückte ist: Die meisten stimmen so gar nicht. Schauen wir uns an, warum die Generationenklischees in die Irre führen, was sich wirklich unterscheidet und wie du ganz unterschiedliche Jahrgänge so führst, dass aus den Unterschieden Stärke wird statt Streit.

Das Wichtigste in Kürze

Was Generationen überhaupt sind

Eine Generation bezeichnet die Gruppe von Menschen, die in einem ähnlichen Zeitraum geboren und von ähnlichen Ereignissen geprägt wurden. Das ist ein nützliches grobes Raster, um über gesellschaftliche Veränderungen zu sprechen. Als Anleitung, wie ein einzelner Mensch tickt, taugt es dagegen wenig.

Wortherkunft

Das Wort „Generation" kommt vom lateinischen „generare", das heißt „hervorbringen" oder „erzeugen". Gemeint war ursprünglich schlicht die Abfolge der Geborenen, eine Kette von Eltern und Kindern. In dem Wort steckt also von Anfang an ein zeitlicher Abstand, kein Charakter. Eine Generation sagt, wann jemand losgefahren ist, nicht, wohin er will oder wie er fährt.

Warum die Klischees in die Irre führen

Kaum etwas ist so verbreitet wie der Satz „die Jungen wollen ja heute nicht mehr arbeiten". Solche Sätze fühlen sich wahr an, halten aber der Prüfung selten stand. Mehrere Forschungsüberblicke, unter anderem eine viel beachtete Auswertung von Costanza und Kollegen aus dem Jahr 2012, kommen zu dem Schluss, dass die Unterschiede zwischen den Generationen im Arbeitsverhalten meist deutlich kleiner sind, als die Klischees vermuten lassen.

Der Denkfehler dahinter ist derselbe wie bei jeder Schublade. Ein Etikett wie „Boomer" oder „Gen Z" fasst Millionen völlig verschiedener Menschen zu einer Einheit zusammen, die es so gar nicht gibt. Deshalb gilt hier dieselbe Regel wie bei Persönlichkeitstypen, die wir im Kapitel die Persönlichkeiten im Team verstehen gesehen haben.

So sagst du es

Statt: „Typisch Gen Z, keine Ausdauer."

Besser: „Ich nenne die Jahrgänge hier bewusst zugespitzt. Das sind keine festen Typen, sondern grobe Tendenzen. Acht Milliarden Menschen passen nun mal nicht in vier Schubladen."

Prinzip

Du führst keine Generation, du führst einen Menschen. Das Etikett sagt dir höchstens das Baujahr, aber nie, wer da am Steuer sitzt.

Was sich wirklich unterscheidet, und was nicht

Ganz ohne Unterschiede ist es natürlich auch nicht. Nur liegen sie selten da, wo die Klischees sie vermuten. Drei Dinge machen häufiger einen Unterschied als das Geburtsjahr an sich.

Die Lebensphase

Berufseinstieg, kleine Kinder oder Nähe zur Rente stellen ganz andere Fragen. Das ist Alter, nicht Generation.

Die Prägung

Wer mit dem Smartphone groß wurde, hat andere Selbstverständlichkeiten als jemand, der ohne aufwuchs. Andere Gewohnheiten, nicht andere Werte.

Die Erwartung an Führung

Wie oft jemand Feedback braucht oder über welchen Kanal, ist verschieden. Aber gesehen werden wollen alle.

Verbreiteter Irrtum

„Die Gen Z ist faul und illoyal, die Boomer sind veränderungsresistent." Solche Sätze vergiften die Zusammenarbeit, bevor sie überhaupt beginnt. Wer ein Etikett im Kopf hat, sieht nur noch, was dazu passt, und übersieht den konkreten Menschen. Das Klischee wird so zur selbsterfüllenden Prophezeiung, in beide Richtungen.

Aus der Praxis

In einem Team stritten sich ein erfahrener Meister und ein junger Kollege ständig. Der eine fand den anderen respektlos, der andere ihn von gestern. Die Führungskraft setzte die beiden nicht auseinander, sondern zusammen: Der Meister zeigte dem Jungen die Kniffe aus dreißig Jahren Praxis, der Junge dem Meister ein paar digitale Abkürzungen. Aus zwei Fronten wurde ein Gespann. Nicht weil sich jemand geändert hätte, sondern weil sie anfingen, sich als Menschen zu sehen statt als Jahrgang.

Wie du generationsübergreifend führst

Gute Führung über Generationen hinweg ist im Kern nichts Neues. Es ist dieselbe menschliche Führung wie immer, nur bewusst gegen die Schublade. Vier Dinge helfen dir dabei.

Sieh den Menschen, nicht das Etikett. Frag dich bei jedem Einzelnen, wie er tickt und was er braucht, statt vom Jahrgang auf den Charakter zu schließen. Das passende Werkzeug dafür ist die Persönlichkeit, nicht das Geburtsjahr, wie das Kapitel Persönlichkeit und Führung zeigt.

Frag nach, statt anzunehmen. Wie jemand am liebsten Feedback bekommt oder kommuniziert, weißt du erst, wenn du fragst. Ein kurzes „wie arbeitest du am besten?" spart viele falsche Vermutungen.

Nutze die Unterschiede bewusst. Erfahrung und frische Sicht sind kein Widerspruch, sondern eine gute Mischung. Lass die Jahrgänge voneinander lernen, in beide Richtungen, statt sie gegeneinander auszuspielen.

Verbinde alle über ein gemeinsames Ziel. Was ein Team über alle Unterschiede hinweg zusammenhält, ist ein Ziel, das alle teilen, und klare gemeinsame Regeln. Genau darum ging es in den Kapiteln wie aus einer Gruppe ein echtes Team wird und Teamregeln, die im Alltag funktionieren.

Zum Mitnehmen

Denk an eine Person in deinem Team, die du innerlich schon mal in eine Generationen-Schublade gesteckt hast. Frag dich ehrlich: Was weiß ich über diesen Menschen wirklich, jenseits des Etiketts? Und wenn du unsicher bist, frag ihn diese Woche einfach.

Das ist ein Stück deiner Reise

Führung ist eine Reise, und du sitzt selbst am Steuer. Auf der Straße sind ganz verschiedene Fahrzeuge unterwegs, alte und neue, schnelle und bedächtige. Kein guter Fahrer beurteilt den anderen nach dem Baujahr, sondern schaut, wie er tatsächlich fährt. Genau so ist es mit den Generationen im Team: Das Etikett hilft dir kaum, der einzelne Mensch dahinter umso mehr.

Und damit sind wir eigentlich schon bei einer größeren Frage. Generationen sind ja nur eine von vielen Arten, wie Menschen sich unterscheiden. Wie du ein wirklich vielfältiges Team führst und die Unterschiede zu einer echten Stärke machst, das schauen wir uns als Nächstes an.

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Dein nächster Schritt: Wähl eine Person, die du bisher über ihren Jahrgang gesehen hast, und lern diese Woche den Menschen dahinter besser kennen.

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Häufige Fragen

Wie führt man verschiedene Generationen im Team?

Vor allem, indem man den einzelnen Menschen sieht statt das Etikett. Frag jeden, wie er am besten arbeitet und Feedback bekommt, statt es aus dem Geburtsjahr abzuleiten. Nutze unterschiedliche Erfahrungen bewusst und verbinde alle über ein gemeinsames Ziel und klare Regeln.

Stimmen die typischen Generationenklischees?

Meist nicht. Mehrere Forschungsüberblicke kommen zu dem Ergebnis, dass die Unterschiede im Arbeitsverhalten zwischen den Generationen deutlich kleiner sind, als die Klischees behaupten. Innerhalb jeder Generation sind die Menschen so verschieden wie überall.

Was unterscheidet die Generationen wirklich?

Häufiger als das Geburtsjahr macht die Lebensphase einen Unterschied, also ob jemand am Anfang steht, Familie hat oder auf die Rente zugeht. Dazu kommen unterschiedliche Prägungen und Gewohnheiten, etwa im Umgang mit Technik. Der Wunsch, gesehen zu werden und sinnvolle Arbeit zu tun, ist dagegen über alle Jahrgänge hinweg ähnlich.

Wie gehe ich mit Konflikten zwischen Jüngeren und Älteren um?

Am besten, indem du sie nicht auseinanderziehst, sondern behutsam zusammenbringst und die Stärken beider sichtbar machst. Oft löst sich das Vorurteil, sobald die beiden anfangen, voneinander zu lernen. Wichtig ist, den Konflikt früh und sachlich anzusprechen, statt ihn schwelen zu lassen.

Wie führe ich die Gen Z richtig?

Genauso wie alle anderen: als einzelne Menschen mit eigenen Stärken und Wünschen, nicht als Klischee. Viele Jüngere legen Wert auf Sinn, klare Rückmeldungen und einen respektvollen Ton, aber das tun Ältere auch. Frag lieber die konkrete Person, was sie braucht, als dich auf Verallgemeinerungen zu verlassen.

In deinem Team knirscht es zwischen den Jahrgängen, und die Schubladen sitzen tief? Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir uns an, wie aus den Unterschieden ein echtes Miteinander wird. Kostenloses Erstgespräch →