Entwicklung & Wachstum · Talente fördern
Im letzten Kapitel ging es darum, Leistung dauerhaft zu ermöglichen, ohne das Team zu verheizen. Doch dauerhaft stark bleibt ein Team nicht nur durch Schonung, sondern durch Wachstum. Und Menschen wachsen am meisten dort, wo sie ihre Stärken einsetzen dürfen und sich weiterentwickeln können.
Genau hier machen viele Führungskräfte einen Denkfehler: Sie konzentrieren sich auf die Schwächen ihrer Leute und versuchen, diese auszubügeln. Dabei entsteht echtes Wachstum vor allem an den Stärken. Schauen wir uns an, woran du die oft verborgenen Talente in deinem Team erkennst, warum Stärken der größere Hebel sind als Schwächen und wie du Talente gezielt förderst.
Wer nur an Schwächen arbeitet, macht aus schwach bestenfalls mittelmäßig. Das ist der verbreitete Irrweg vieler Mitarbeitergespräche: Man sammelt die Defizite und arbeitet sie ab. Doch das größte Potenzial liegt dort, wo jemand ohnehin gut ist. Forschung unter anderem des Gallup-Instituts zeigt, dass Menschen deutlich engagierter und erfolgreicher sind, wenn sie täglich das tun können, was sie am besten können. Stärkenorientierte Führung will Menschen also nicht überall gleich gut machen, sondern sie dort einsetzen, wo sie glänzen, und die unterschiedlichen Stärken so kombinieren, dass das Team als Ganzes rund wird.
Das Wort „Talent“ geht auf das griechische „talanton“ zurück, ursprünglich eine Maßeinheit für Gewicht und später für Geld. Aus dem biblischen Gleichnis, in dem einem Diener Talente anvertraut werden, die er mehren soll, wurde die heutige Bedeutung: eine anvertraute Gabe, die es zu nutzen und zu vermehren gilt. Genau das ist die Aufgabe der Führung: Talente nicht vergraben zu lassen, sondern zu erkennen und wachsen zu lassen, damit aus einer Anlage echtes Können wird.
Der erste Schritt ist, Talente überhaupt zu sehen, und das ist gar nicht so leicht. Denn Talente verstecken sich oft im Selbstverständlichen. Was jemandem mühelos gelingt, hält er selbst oft für nichts Besonderes, gerade weil es ihm so leichtfällt. Achte deshalb darauf, was jemand gern und wie von selbst tut, wobei er die Zeit vergisst, worin er andere übertrifft und wofür er brennt. Diese Signale verraten Stärken oft deutlicher als jeder Lebenslauf.
Und dann liegt hier eine der schönsten Führungsaufgaben: das Talent zu benennen und zurückzuspiegeln. Wenn du jemandem konkret sagst, worin seine besondere Stärke liegt, kann das ein Schlüsselmoment sein. Viele Menschen sehen ihr größtes Talent zum ersten Mal richtig, wenn eine Führungskraft es ausspricht, und genau das kann der Anfang einer ganzen Entwicklung sein.
Menschen wachsen an ihren Stärken, nicht an ihren Schwächen. Deine Aufgabe ist, das Talent zu sehen, bevor der andere es selbst sieht.
Drei Dinge lassen Talente wachsen.
Gib Aufgaben und Rollen, in denen die Stärke zur Geltung kommt. Wer im richtigen Feld spielt, wird von selbst besser.
Gib Herausforderungen etwas über dem aktuellen Können und ermögliche Lernen. Wachstum liegt an der Kante.
Benenne das Talent und gib ihm eine Bühne. Wer sein Können zeigen darf, wächst schneller.
„Entwicklung heißt, an den Schwächen zu arbeiten.“ Das steckt tief in vielen Köpfen, ist aber der ineffizienteste Weg. Natürlich müssen echte Defizite, die ernsthaft stören, bearbeitet werden. Aber wer seine ganze Energie in Schwächen steckt, produziert mühsam Mittelmaß und lässt das größte Potenzial brachliegen. Es geht nicht darum, Schwächen zu ignorieren, sondern Stärken so stark zu machen, dass die Schwächen weniger ins Gewicht fallen, oder von den Stärken anderer aufgefangen werden.
Eine stille Mitarbeiterin galt als unauffällig, bis ihre Führungskraft bemerkte, wie gut sie komplizierte Zusammenhänge einfach erklären konnte. Sie benannte dieses Talent, gab ihr die Aufgabe, neue Kollegen einzuarbeiten, und später interne Schulungen zu halten. Aus der Unauffälligen wurde die gefragteste Wissensvermittlerin im Haus. Das Talent war immer da gewesen, es hatte nur niemand gesehen und ihr eine Bühne gegeben.
Es geht um Aufmerksamkeit und gezielte Förderung. Vier Dinge helfen dir.
Schau auf Stärken statt nur auf Defizite. Achte darauf, was jemandem leichtfällt und wofür er brennt. Wie du überhaupt fair und genau auf Menschen schaust, zeigt das Kapitel Wie du Leistung fair beurteilst.
Sprich das Talent an. Spiegle konkret zurück, was du siehst und schätzt. Warum ehrliche Anerkennung so viel bewirkt, zeigt das Kapitel Wie du Anerkennung und Lob richtig gibst.
Gib passende Herausforderungen. Aufgaben etwas über dem Können lassen Menschen wachsen. Wie gezielte Entwicklung gelingt, zeigt das Kapitel Mitarbeiter entwickeln und fördern.
Nutz die Vielfalt der Stärken. Kombiniere unterschiedliche Talente zu einem starken Ganzen. Wie du verschiedene Menschen zusammenbringst, zeigt das Kapitel Diverse Teams führen.
Nimm dir eine Person aus deinem Team und frag dich: Worin ist sie richtig gut, oft ohne es selbst zu merken? Dann sprich es beim nächsten Mal konkret an. Dieses eine benannte Talent kann bei ihr mehr auslösen als jede Fortbildung, weil es zeigt, dass jemand ihre besondere Stärke sieht.
Führung ist eine Reise, und du sitzt selbst am Steuer. Jeder Mensch in deinem Team ist wie ein Fahrzeug mit einer besonderen Stärke: Der eine ist für steile Berge gebaut, der andere für lange Strecken, der dritte für enge Kurven. Ein kluger Fahrer zwingt nicht den Geländewagen auf die Rennstrecke, sondern setzt jedes Fahrzeug dort ein, wo es glänzt. Deine Aufgabe ist, die Stärke jedes Einzelnen zu erkennen und ihn auf die Strecke zu schicken, die zu ihm passt.
Manche Talente zeigen in eine ganz bestimmte Richtung: Manche deiner besten Leute haben das Zeug, selbst einmal zu führen. Doch der Sprung vom guten Fachmann zur guten Führungskraft ist größer, als viele denken. Wie du aus Mitarbeitern Führungskräfte entwickelst und sie auf diesen Sprung vorbereitest, das schauen wir uns als Nächstes an.

Jeder Artikel hier ist eine Etappe auf deiner Reise. Der Kompass zeigt dir, wo du gerade stehst und wohin es als Nächstes geht.
Du bist hier: Entwicklung & Wachstum, Talente erkennen und fördern.
Dein nächster Schritt: Wähl eine Person und benenne ihr konkret ein Talent, das sie richtig gut kann, oft ohne es selbst zu merken.
Kostenlosen Führungs-Check machen →Vor allem, indem du genau hinschaust und zuhörst. Talente zeigen sich dort, wo jemand etwas mühelos und gern tut, wo er aufblüht, die Zeit vergisst oder immer wieder freiwillig hingeht. Achte darauf, was jemandem leichtfällt, worin er andere übertrifft und wofür er brennt. Frag auch direkt, was die Menschen gern machen und worin sie sich weiterentwickeln wollen. Oft sind Talente den Menschen selbst gar nicht bewusst, weil ihnen leichtfällt, was anderen schwerfällt.
Vor allem Stärken. Menschen wachsen am meisten dort, wo sie ohnehin gut sind, weil dort das größte Potenzial liegt. Wer nur an Schwächen arbeitet, macht aus einem schwachen Bereich bestenfalls einen mittelmäßigen und vernachlässigt dabei das, was jemanden wirklich stark macht. Das heißt nicht, Schwächen zu ignorieren: Wo eine Schwäche ernsthaft stört, muss sie bearbeitet werden. Aber der größere Hebel liegt darin, Stärken auszubauen und Menschen dort einzusetzen, wo sie glänzen.
Indem du Menschen Aufgaben und Rollen gibst, in denen sie ihre Stärken einsetzen und ausbauen können. Gib passende Herausforderungen, die etwas über dem aktuellen Können liegen, ermögliche Lernen und Übung, und lass Raum, Neues auszuprobieren. Wichtig ist regelmäßiges, konkretes Feedback und echtes Interesse an der Entwicklung des anderen. Auch Sichtbarkeit hilft: Wer sein Talent zeigen darf, wächst schneller. Fördern heißt, den Boden zu bereiten, damit sich das Talent entfalten kann.
Stärkenorientierte Führung bedeutet, den Blick vor allem auf das zu richten, was Menschen gut können, und sie dort einzusetzen und zu fördern. Sie geht auf Forschung unter anderem des Gallup-Instituts zurück, die zeigt, dass Menschen engagierter und erfolgreicher sind, wenn sie täglich das tun können, was sie am besten können. Statt Menschen überall gleich gut machen zu wollen, setzt stärkenorientierte Führung darauf, unterschiedliche Stärken so zu kombinieren, dass das Team als Ganzes rund wird.
Das ist sogar häufig, weil uns das, was uns leichtfällt, oft selbstverständlich erscheint. Viele halten ihre größte Stärke für nichts Besonderes, gerade weil sie ihnen mühelos gelingt. Als Führungskraft kannst du hier viel bewirken, indem du das Talent benennst und spiegelst: sag konkret, was du siehst und schätzt. Oft ist es ein Schlüsselmoment für Menschen, wenn ihnen jemand zeigt, worin ihre besondere Stärke liegt. Manchmal ist das der Anfang einer ganzen Entwicklung.
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