Persönlichkeit · Gewissenhaftigkeit

Perfektionisten und Chaoten im Team führen: zwischen Gründlichkeit und Tempo

Im letzten Kapitel ging es darum, wie unterschiedlich Menschen auf Druck reagieren. Eine weitere Ausprägung sorgt im Team fast noch häufiger für Reibung: wie ordentlich und gründlich jemand vorgeht. Der eine nimmt jede Aufgabe ganz genau, plant, prüft und feilt. Der andere haut es raus, improvisiert und findet Ordnung eher langweilig.

Für beide gibt es abfällige Worte: der „Pedant" hier, der „Chaot" dort. Und beide gehen sich oft gehörig auf die Nerven. Dabei ist keiner von beiden besser, sie sind nur für Unterschiedliches gemacht. Schauen wir uns an, welche Sonnen- und Schattenseiten Gründlichkeit und Tempo haben und wie du Perfektionisten und Improvisierer so führst, dass sie sich ergänzen statt sich zu bekämpfen.

Das Wichtigste in Kürze

Was Gewissenhaftigkeit wirklich ist

Gewissenhaftigkeit beschreibt, wie ordentlich, gründlich und planvoll ein Mensch an Dinge herangeht. Wer hoch gewissenhaft ist, arbeitet sorgfältig, hält sich an Pläne und liefert verlässlich. Wer weniger gewissenhaft ist, geht lockerer und spontaner vor, oft flexibel und kreativ. Wie bei allen Persönlichkeitsmerkmalen ist das kein Entweder-oder, sondern eine Skala mit vielen Zwischentönen.

Wortherkunft

Das Wort „perfekt" kommt vom lateinischen „perficere", das heißt „vollenden" oder „fertig machen". Ursprünglich bedeutet perfekt also schlicht „fertig", nicht „fehlerlos". Genau das ist die Falle des Perfektionismus: Er verwechselt fertig mit makellos und wird deshalb nie fertig. Etwas ist perfekt im alten Sinn, wenn es getan ist und seinen Zweck erfüllt, nicht erst, wenn es keinen einzigen Makel mehr hat.

Beide haben eine Sonnen- und eine Schattenseite

Es ist verlockend, den Gründlichen für den besseren Mitarbeiter zu halten. Und tatsächlich ist Gewissenhaftigkeit die Eigenschaft, die über viele Berufe hinweg am zuverlässigsten mit guter Leistung zusammenhängt. Aber jede Stärke wirft auch einen Schatten, und beide Pole haben ihren Platz.

Die Gründlichen

Sonnenseite: Qualität, Verlässlichkeit, keine Fehler in wichtigen Dingen.

Schatten: zu langsam, kommen schwer zum Ende, verlieren sich im Detail.

Die Spontanen

Sonnenseite: Tempo, Flexibilität, stark, wenn Pläne über den Haufen fliegen.

Schatten: übersehen Details, wirken bei Routine unzuverlässig.

Es ist eine Skala

Ich nenne die Pole bewusst zugespitzt „Perfektionist" und „Chaot". Das sind keine zwei Sorten Mensch, die meisten liegen dazwischen.

Prinzip

Perfekt heißt fertig, nicht fehlerlos. Und wie viel Gründlichkeit richtig ist, entscheidet nicht der Charakter, sondern die Aufgabe.

Verbreiteter Irrtum

„Gründlicher ist immer besser." Das stimmt nur, wo es wirklich auf jedes Detail ankommt. Für vieles andere ist „gut genug und rechtzeitig fertig" besser als „perfekt und zu spät". Wer alles bis ins Letzte feilt, verliert Zeit an Stellen, an denen es niemand merkt, und ausufernder Perfektionismus kann sogar krank machen. Nicht die Höchstleistung an jedem Punkt trägt, sondern das passende Maß.

Aus der Praxis

In einem Team feilte ein sehr gründlicher Mitarbeiter tagelang an einer internen Auswertung, die niemand perfekt brauchte, während die verlässliche Pflege der Kundendaten bei einem eher spontanen Kollegen immer wieder liegen blieb. Die Führungskraft tauschte einfach die Aufgaben: Der Gründliche übernahm die Kundendaten, wo Sorgfalt wirklich zählt, der Spontane die schnelle Auswertung, die vor allem zeitig da sein musste. Auf einmal liefen beide zur Hochform auf. Dieselben Menschen, nur an der richtigen Aufgabe.

Wie du beide gut führst

Es geht nicht darum, aus Chaoten Pedanten zu machen oder umgekehrt. Es geht darum, jedem die passende Aufgabe und den passenden Rahmen zu geben. Vier Dinge helfen dir dabei.

Ordne Aufgaben nach dem nötigen Maß an Gründlichkeit. Was fehlerkritisch ist, gehört in die Hände der Gründlichen. Was schnell und wandelbar sein muss, zu den Spontanen. Wie du überhaupt sortierst, was wie wichtig ist, zeigt das Kapitel Prioritäten setzen.

Sag klar, was „gut genug" heißt. Ein klares Ziel nimmt dem Perfektionisten den Druck, alles bis ins Letzte zu treiben, und gibt dem Spontanen einen Standard, unter den er nicht rutschen darf. Diese 80-Prozent-Frage kennst du aus dem Kapitel richtig delegieren lernen.

Übersetze zwischen beiden. Perfektionist und Chaot reiben sich, weil jeder die Art des anderen für falsch hält. Mach sichtbar, was der jeweils andere beiträgt, so wie im Kapitel diverse Teams führen.

Achte auf die Gesundheit der Perfektionisten. Wer sich selbst nie „gut genug" erlaubt, gerät leicht in einen Dauerstress, den keiner von außen sieht. Genau hier lohnt der wache Blick aus dem Kapitel woran du Überlastung früh erkennst.

Zum Mitnehmen

Nimm dir eine aktuelle Aufgabe im Team und frag dich zuerst: Wie gründlich muss die wirklich sein? Und dann: Wer aus meinem Team passt mit seiner Art am besten dazu? Oft löst sich die Reibung schon dadurch, dass die richtige Person die richtige Sache macht.

Das ist ein Stück deiner Reise

Führung ist eine Reise, und du sitzt selbst am Steuer. Manche fahren am liebsten mit Karte, festem Plan und Blick auf jeden Abzweig, andere folgen dem Gefühl und biegen spontan ab, wenn eine schönere Strecke lockt. Kein Fahrstil ist der bessere. Auf der Autobahn gewinnt der Planer, im unwegsamen Gelände der Spontane. Deine Aufgabe ist, zu wissen, welche Strecke gerade vor euch liegt.

Wir nähern uns dem Ende der fünf großen Persönlichkeitsausprägungen. Eine fehlt noch, und sie entscheidet oft darüber, wer im Team am liebsten alles beim Alten lässt und wer ständig Neues ausprobieren will. Wie du Bewahrer und Neudenker zusammenbringst, das schauen wir uns als Nächstes an.

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Jeder Artikel hier ist eine Etappe auf deiner Reise. Der Kompass zeigt dir, wo du gerade stehst und wohin es als Nächstes geht.

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Dein nächster Schritt: Prüfe bei einer Aufgabe zuerst, wie gründlich sie sein muss, und setz dann die passende Person darauf.

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Häufige Fragen

Was ist Gewissenhaftigkeit in der Persönlichkeit?

Gewissenhaftigkeit beschreibt, wie ordentlich, gründlich und planvoll ein Mensch vorgeht. Hoch gewissenhafte Menschen arbeiten sorgfältig und verlässlich, weniger gewissenhafte lockerer und spontaner. Es ist eine Ausprägung auf einer Skala, kein fester Typ und keine Frage von Fleiß oder Charakterstärke.

Sind gründliche Menschen die besseren Mitarbeiter?

Gewissenhaftigkeit hängt über viele Berufe hinweg am zuverlässigsten mit guter Leistung zusammen, ist also sehr wertvoll. Trotzdem gibt es keine pauschal besseren Menschen. Zu viel Gründlichkeit kann lähmen, und in schnellen oder unklaren Lagen sind die Spontanen oft stärker. Es kommt auf die Aufgabe an.

Wie führe ich einen Perfektionisten?

Indem du ihm klar sagst, was „gut genug" bedeutet, und ihn vor allem an fehlerkritische Aufgaben setzt, wo seine Sorgfalt zählt. Nimm ihm den Druck, alles bis ins Letzte zu treiben, und achte darauf, dass sein hoher Eigenanspruch ihn nicht in Dauerstress und Überlastung treibt.

Wie gehe ich mit einem chaotischen Mitarbeiter um?

Nicht, indem du ihn zum Pedanten umerziehst, sondern indem du seine Stärken nutzt: Tempo, Flexibilität und Ideenreichtum, gerade wenn Pläne kippen. Gib ihm klare Mindeststandards für die Dinge, die verlässlich laufen müssen, und übertrage ihm bevorzugt Aufgaben, bei denen Schnelligkeit wichtiger ist als das letzte Detail.

Ist Perfektionismus schädlich?

Gründlichkeit ist wertvoll, aber ausufernder Perfektionismus hat einen Preis. Wer nie zufrieden ist und sich selbst kein „gut genug" erlaubt, verliert Zeit und gerät leicht in einen Dauerstress, der bis zur Überlastung führen kann. Gesund ist Sorgfalt mit Maß, nicht die Jagd nach dem Makellosen.

In deinem Team reiben sich die Gründlichen und die Schnellen ständig aneinander, und du willst beide Seiten nutzen statt schlichten? Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir uns an, wie du jeden an die richtige Stelle bringst. Kostenloses Erstgespräch →