Führungskommunikation · Nach oben führen
Bisher ging es in diesem Block um die Kommunikation mit deinem Team, also nach unten und zur Seite. Doch die meisten Führungskräfte haben selbst einen Chef, eine Bereichsleitung oder eine Geschäftsführung über sich. Und wie du mit dieser Ebene kommunizierst, entscheidet oft genauso stark über deinen Erfolg wie die Führung deines Teams.
Viele erleben die Kommunikation nach oben als etwas, das ihnen passiert: Man bekommt Ansagen und führt sie aus. Dabei kannst du diese Beziehung aktiv gestalten, ja sogar deinen eigenen Chef ein Stück weit mitführen. Das ist kein Anbiedern und kein Taktieren, sondern professionelle Zusammenarbeit. Schauen wir uns an, was nach oben führen wirklich heißt, wie du Probleme klug ansprichst und wie du Vertrauen nach oben aufbaust, ohne dich zu verbiegen.
Die Beziehung zu deinem Chef ist keine Einbahnstraße, in der nur Anweisungen herunterkommen. Die Forscher John Gabarro und John Kotter haben gezeigt, dass erfolgreiche Führungskräfte ihre Beziehung nach oben genauso bewusst gestalten wie die nach unten. Sie nennen es Managing up: den eigenen Chef verstehen, ihm zuarbeiten und die Zusammenarbeit so gestalten, dass beide Seiten wirksam sind. Das ist kein Kriechen, sondern kluge Professionalität. Denn dein Chef ist auch nur ein Mensch, mit begrenzter Zeit, eigenem Druck und eigenen blinden Flecken, und du kannst ihm helfen, gut zu entscheiden.
Das Wort „kommunizieren“ kommt vom lateinischen „communicare“, das „teilen“, „gemeinsam machen“ bedeutet. Kommunikation ist also im Wortsinn nicht das Senden von Befehlen, sondern das Herstellen von etwas Gemeinsamem. Genau das ist der Kern der Kommunikation nach oben: eine gemeinsame Sicht auf die Lage schaffen, sodass du und dein Chef vom selben ausgehen. Wer nach oben gut kommuniziert, teilt seine Sicht, statt zu warten, bis der Chef sie errät.
Der Schlüssel zur Kommunikation nach oben ist, die Welt deines Chefs zu verstehen. Was sind seine Ziele, unter welchem Druck steht er, was treibt ihn um, und wie kommuniziert er am liebsten, kurz und knapp oder ausführlich? Wenn du das weißt, kannst du deine Anliegen so einbringen, dass sie ankommen, statt gegen eine Wand zu laufen. Das ist dieselbe Kunst wie beim Führen nach unten: Du triffst den anderen dort, wo er steht.
Dazu gehört vor allem, Probleme richtig zu servieren. Ein Chef, der ständig nur Klagen hört, macht dicht. Ein Chef, der Probleme mit einem Lösungsvorschlag bekommt, sieht in dir einen Mitdenker. Bring deshalb, wann immer möglich, nicht nur das Problem, sondern gleich einen Weg mit, auch wenn er nicht perfekt ist. Das macht es dem Chef leicht zu entscheiden und dich zu einem, auf den er sich verlassen kann.
Auch nach oben wird geführt. Versteh die Welt deines Chefs und bring Lösungen statt nur Probleme, dann wirst du zum verlässlichen Partner.
Drei Dinge machen die Kommunikation nach oben wirksam.
Kenne Ziele, Druck und Kommunikationsstil deines Chefs und stell dich darauf ein. So kommen deine Anliegen an.
Bring Probleme mit einem Vorschlag. Das zeigt Mitdenken und macht dem Chef die Entscheidung leicht.
Halte deinen Chef auf dem Laufenden, auch bei schlechten Nachrichten. Keine Überraschungen von Dritten.
„Nach oben führen heißt, dem Chef nach dem Mund zu reden.“ Das ist die gefährlichste Verwechslung. Wer nur gefällt und jede Wahrheit verschweigt, macht sich zum Ja-Sager und wird auf Dauer wertlos, weil der Chef von ihm nie erfährt, was wirklich los ist. Echtes Führen nach oben schließt ehrlichen Widerspruch ein: respektvoll, aber klar. Ein guter Chef braucht jemanden, der ihm auch unbequeme Wahrheiten sagt, nicht einen Höfling.
Eine Abteilungsleiterin ärgerte sich, dass ihre Ideen bei der Geschäftsführung nie durchkamen. Als sie genauer hinschaute, merkte sie: Ihr Chef stand unter starkem Kostendruck und hatte kaum Zeit. Sie änderte ihre Art zu kommunizieren, fasste sich kürzer, zeigte bei jedem Vorschlag den Nutzen für die Kosten und brachte immer eine konkrete Empfehlung mit. Plötzlich fanden ihre Anliegen Gehör. Nicht die Ideen waren schlechter gewesen, sondern die Art, sie nach oben zu bringen.
Es geht um Verständnis, Klarheit und Ehrlichkeit. Vier Dinge helfen dir.
Versteh die Welt deines Chefs. Finde heraus, was ihn umtreibt und wie er tickt, und stell dich darauf ein. Diese Kunst, den anderen dort zu treffen, wo er steht, kennst du aus dem Kapitel Die Persönlichkeiten im Team verstehen.
Bring Lösungen mit. Servier Probleme nie nackt, sondern mit einem Vorschlag. Wie gute Entscheidungen entstehen, zeigt das Kapitel Entscheidungen treffen.
Sag auch Unbequemes, aber respektvoll. Ehrlicher Widerspruch macht dich wertvoll, nicht lästig. Wie du klar sprichst, ohne dass es kracht, zeigt das Kapitel Klartext reden, ohne dass es kracht.
Sei verlässlich. Halte Zusagen und informiere von dir aus, auch über Probleme. Warum Verlässlichkeit Vertrauen schafft, zeigt das Kapitel Vertrauen im Team aufbauen.
Bevor du das nächste Mal mit einem Anliegen zu deinem Chef gehst, stell dir zwei Fragen: Was ist gerade sein größtes Thema, und wie hilft mein Anliegen dabei? Und: Bringe ich nur ein Problem oder auch einen Vorschlag? Diese kurze Vorbereitung verändert oft, ob du gehört wirst oder nicht.
Führung ist eine Reise, und du sitzt selbst am Steuer. Aber auf dieser Reise fährst du selten allein: Über dir gibt es jemanden, der die große Route mitbestimmt. Nach oben zu kommunizieren heißt, diesem Menschen eine klare Karte deiner Strecke zu geben, ihm zu sagen, wo Staus und Baustellen liegen und welchen Weg du empfiehlst. Du sitzt an deinem Steuer, aber du sorgst dafür, dass der, der die Gesamtroute plant, deine Sicht kennt.
Bis hierher ging es viel um Klarheit, Zuhören und Verständigung. Doch die wirkungsvollste Kommunikation berührt nicht nur den Kopf, sondern das Herz. Nichts bleibt so gut haften und bewegt Menschen so sehr wie eine gute Geschichte. Wie du mit Geschichten führst und Sinn vermittelst, das schauen wir uns als Nächstes an.

Jeder Artikel hier ist eine Etappe auf deiner Reise. Der Kompass zeigt dir, wo du gerade stehst und wohin es als Nächstes geht.
Du bist hier: Kommunikation, nach oben kommunizieren.
Dein nächster Schritt: Überleg vor dem nächsten Gespräch mit deinem Chef: Was ist gerade sein größtes Thema, und bringe ich einen Lösungsvorschlag mit?
Kostenlosen Führungs-Check machen →Nach oben führen, oft Managing up genannt, bedeutet, die Zusammenarbeit mit dem eigenen Vorgesetzten bewusst und aktiv zu gestalten, statt sie nur zu erdulden. Es geht nicht um Anbiedern oder Taktieren, sondern darum, die Ziele, den Druck und den Kommunikationsstil deines Chefs zu verstehen und ihm die Informationen und Unterstützung zu geben, die er braucht, um gut zu entscheiden. Wer nach oben führt, macht die Zusammenarbeit für beide Seiten wirksamer und erleichtert sich den eigenen Job.
Klar, lösungsorientiert und verlässlich. Versteh zuerst, was deinen Chef bewegt und unter welchem Druck er steht, und pass deine Kommunikation seinem Stil an, ob er es kurz und knapp oder ausführlich mag. Bring Probleme nicht nur als Klage, sondern möglichst mit einem Lösungsvorschlag. Halte ihn verlässlich auf dem Laufenden, auch bei schlechten Nachrichten, damit er sich auf dich verlassen kann. Und sei ehrlich statt nur gefällig, denn ein Chef braucht auch ehrlichen Widerspruch.
Am besten nicht als reine Beschwerde, sondern mit einem Vorschlag. Schildere das Problem knapp und sachlich, erklär die Auswirkung und bring mindestens eine mögliche Lösung mit, auch wenn sie nicht perfekt ist. Das zeigt, dass du mitdenkst, und macht es dem Chef leicht, zu entscheiden, statt alles selbst lösen zu müssen. Wähle einen guten Zeitpunkt, sprich früh, bevor das Problem groß wird, und bleib bei den Fakten statt bei Schuldzuweisungen.
Nein, im Gegenteil. Anbiederung heißt, dem Chef nach dem Mund zu reden und Konflikte zu vermeiden. Nach oben führen heißt, professionell und ehrlich zusammenzuarbeiten, auch wenn das ehrlichen Widerspruch einschließt. Ein guter Führender nach oben sagt seinem Chef auch unbequeme Wahrheiten und vertritt seine Position, tut das aber respektvoll und lösungsorientiert. Es geht nicht darum, zu gefallen, sondern darum, die Zusammenarbeit wirksam und vertrauensvoll zu machen.
Vor allem durch Verlässlichkeit und Ehrlichkeit. Halte, was du zusagst, informiere von dir aus, auch über schlechte Nachrichten, und lass deinen Chef nie von Dritten von Problemen erfahren. Zeig, dass du mitdenkst, indem du Lösungen statt nur Probleme bringst, und bleib auch bei Widerspruch respektvoll. Vertrauen nach oben entsteht wie jedes Vertrauen: durch viele kleine Erfahrungen, dass man sich auf dich verlassen kann, im Guten wie im Schwierigen.
Du willst deine Anliegen nach oben wirksamer platzieren und die Zusammenarbeit mit deinem Chef verbessern? Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir uns an, wie du nach oben klar, ehrlich und lösungsorientiert kommunizierst. Kostenloses Erstgespräch →