Welcher Führungsstil passt zu dir?

„Du bist ein roter Führungstyp.“ So oder so ähnlich hast du das vielleicht schon mal gehört, nachdem du irgendwo einen dieser schnellen Persönlichkeits-Tests gemacht hast. Vier Farben, vier Buchstaben, ein Klick, und schon bist du angeblich erklärt. Klingt erst mal ganz praktisch, ist aber im Grunde ungefähr so aussagekräftig wie ein Horoskop, das dir verrät, heute sei ein besonders guter Tag für wichtige Entscheidungen.

Ich habe solche Tests selbst gemacht, und ehrlich gesagt sogar mehr als einmal, weil mich das Thema ja tatsächlich interessiert. Jedes Mal saß ich hinterher da und habe mir gedacht: schön und gut, das sieht ja alles ganz bunt aus, aber was genau soll ich damit jetzt eigentlich anfangen? Das eigentliche Problem ist nämlich gar nicht, dass diese Tests kompletten Unfug erzählen würden. Es ist eher, dass sie so tun, als gäbe es dich nur in vier möglichen Ausführungen. Und wenn ich ganz ehrlich bin, dann passen eben acht Milliarden Menschen nun mal nicht in vier kleine Schubladen.

Und trotzdem, und genau das finde ich eigentlich das Spannende daran, suchen jeden Monat Tausende Führungskräfte ganz gezielt nach so einem Test. Nicht etwa, weil sie naiv wären, sondern weil die Frage, die dahintersteckt, ja im Kern goldrichtig ist: Wer bin ich eigentlich, wenn ich führe, und warum reagiere ich in manchen Situationen so, wie ich eben reagiere? Nur die Antwort, die sie am Ende bekommen, die ist ihr Geld meistens nicht wert. Und ganz oft noch nicht einmal geschenkt.

Bleib also einen Moment dran, dann zeige ich dir, was hinter der bunten Fassade eigentlich steckt und wie du deinen Führungsstil herausfinden kannst, ohne dich am Ende in irgendeine Farbe quetschen zu müssen.

Das Wichtigste in Kürze

Autoritär, kooperativ, laissez-faire: die bekannten Führungsstile im Schnellcheck

Wenn wir schon über Führungsstile reden, dann lass uns ruhig einmal die üblichen Verdächtigen beim Namen nennen, denn die begegnen dir früher oder später sowieso. Die meisten davon gehen im Kern auf den Psychologen Kurt Lewin zurück, der schon vor Jahrzehnten drei Grundhaltungen unterschieden hat. Später ist dann noch einiges dazugekommen. Hier die bekanntesten im Überblick, und gleich mit dazu, wo sie in der Praxis eben kippen:

So eine Liste sieht auf dem Papier erst mal richtig ordentlich aus, und in einem Seminar lässt sich damit locker ein ganzer Vormittag füllen. Das eigentliche Problem ist nur: Sie sagt dir zwar brav, welche Stile es theoretisch alle gibt, aber mit keinem einzigen Wort, welcher davon eigentlich zu dir gehört und warum ausgerechnet der. Sie ist also eine Speisekarte und noch lange keine Antwort. In der echten Arbeitswelt bist du ja ohnehin nie sauber der eine Stil, sondern greifst je nach Lage mal zu diesem und mal zu jenem. Was diese ganzen Kataloge dir aber schuldig bleiben, ist die eigentlich spannende Frage: Warum fällt dir der eine Stil eigentlich so leicht, während sich der andere anfühlt, als würdest du die ganze Zeit gegen dich selbst anarbeiten? Und als ob das noch nicht genug wäre, kommen dann auch noch die bunten Tests daher und pressen diese ohnehin schon grobe Einteilung in vier hübsche Farben. Von kostenlos bis 29 Euro, ein Klick, und schon verkaufen sie dir ein Etikett für deinen Fahrstil und nennen es Selbsterkenntnis. Gutes Geschäft, allerdings vor allem für die, die es verkaufen. Warum dich gerade das erst recht in die Irre führt, schauen wir uns jetzt an.

Warum die Farb-Tests dich in die Irre führen

Stell dir mal kurz vor, jemand würde über dich sagen, du seist ein schneller Fahrer. Stimmt das denn überhaupt so pauschal? Auf der leeren Autobahn nachts um drei vielleicht schon, aber vor einer Grundschule, wenn es in Strömen regnet und überall Kinder herumwuseln, ganz sicher nicht. „Schnell“ ist eben kein Typ, den man dir ein für alle Mal anheften könnte, sondern eher etwas, das sich ganz selbstverständlich mit der Straße ändert, auf der du gerade unterwegs bist.

Und mit Führung ist es, wenn du ehrlich bist, eigentlich ganz genauso. Ein Test, der dich einmal zum dominanten Typen erklärt, übersieht ja völlig, dass du in einer echten Krise ganz anders führst als in einem ruhigen Jahresgespräch, und dass du mit dem einen Mitarbeiter anders umgehst als mit dem anderen, weil die beiden eben auch ganz unterschiedlich ticken. Die moderne Persönlichkeitspsychologie ist sich an dieser Stelle ziemlich einig: Menschen sind kontinuierlich und nicht typologisch, und wer dich in ein festes Kästchen sperrt, der nimmt dir im Grunde genau die Beweglichkeit, die gute Führung überhaupt erst ausmacht.

Deshalb ein Satz, den du dir eigentlich für jeden Persönlichkeitstest merken darfst, den du jemals machen wirst: Das sind keine festen Typen, sondern nur die beiden Enden einer Skala, und die allermeisten Menschen leben irgendwo dazwischen.

Was seriöse Forschung über deinen Stil sagt

Es gibt zum Glück ein Modell, das den Test der Zeit tatsächlich überstanden hat, und das ist das sogenannte Big-Five-Modell, das viele auch einfach unter dem Namen O.C.E.A.N. kennen. An diesem Modell arbeitet die Wissenschaft inzwischen seit weit über zehntausend Studien, und das Schöne daran ist, dass es dich eben nicht in eine einzige Farbe presst, sondern dich auf fünf verschiedenen Dimensionen beschreibt, von denen jede einzelne eine Skala ist.

Deep O.C.E.A.N. geht dann noch ein ganzes Stück tiefer und macht aus diesen fünf Dimensionen sogar zehn Skalen, jede davon fein abgestuft von null bis hundert. Diese zehn Aspekte, auf denen Deep O.C.E.A.N. aufbaut, gehen übrigens auf eine Arbeit der Forscher Colin DeYoung, Lena Quilty und Jordan Peterson aus dem Jahr 2007 zurück, die genau das wissenschaftlich sauber ausgearbeitet haben. Das klingt im ersten Moment vielleicht ziemlich nüchtern, aber rechne einfach kurz mit mir mit, dann wird es richtig spannend. Stell dir dafür zehn kleine Rädchen vor, jedes davon lässt sich auf hundert verschiedene Stellungen drehen, und jedes einzelne Rädchen vervielfacht dabei die Möglichkeiten aller anderen. Am Ende kommen so mehr mögliche Persönlichkeitsprofile heraus, als es Sandkörner auf der ganzen Erde gibt. Deine ganz persönliche Kombination ist also, und das meine ich wirklich ernst, ungefähr so einzigartig wie dein eigener Fingerabdruck.

Und der Unterschied zu so einem schnellen Farbquiz ist am Ende eben gar nicht akademisch, sondern ganz praktisch. Versteh mich an dieser Stelle bitte nicht falsch, für eine allererste Einschätzung reichen vier Farben oder meinetwegen auch vier Tiere durchaus erst einmal aus. Nur ist genau da dann eben auch schon Schluss. Ein Vier-Farben-Test sagt dir bestenfalls, ob du im Meeting eher der Laute oder eher der Leise bist. Ein wissenschaftlich fundiertes Profil dagegen sagt dir, warum du überhaupt so tickst, wie du eben tickst. Und wenn du genau hinschaust, dann zeigt es dir sogar, ob dich der ganze Dauerdruck der Führungsrolle auf lange Sicht eher aushöhlt oder eben gerade nicht.

Was das für dich ganz konkret heißt

Ich sage dir das aus eigener Erfahrung. An einem glühend heißen Sommertag bat mich einer meiner Zusteller, ein sperriges Fahrrad doch erst am nächsten Tag zu fahren, weil sein Auto ohnehin schon randvoll war. Nach Lehrbuch hätte ich jetzt hart bleiben und mich durchsetzen müssen. Ich habe stattdessen nachgegeben, und zwar nicht, weil Nachgeben immer die richtige Antwort wäre, sondern weil ich in diesem einen Menschen etwas gespürt habe, das in keinem Regelwerk der Welt steht. Was damals wirklich los war, habe ich erst später erfahren, und genau dieser eine Moment hat mir seine Loyalität für Jahre eingebracht. Das ist für mich Führung, und die ganze Geschichte erzähle ich dir an anderer Stelle einmal in Ruhe.

Ich sage dir an dieser Stelle nämlich ganz offen, ich führe selbst gar nicht nach Lehrbuch. Natürlich weiß ich, welche Stile es gibt, die stehen ja weiter oben. Aber im entscheidenden Moment nützt mir so ein Katalog herzlich wenig. Was wirklich zählt, ist die Persönlichkeit von zwei Menschen, meine als Führungskraft und die des anderen, ganz gleich ob Mitarbeiter, Kollege oder sogar mein eigener Chef. Wenn ich den Ton nicht treffe, wenn meine Botschaft nicht ankommt oder falsch verstanden wird und ich es noch nicht einmal merke, dann habe ich meinen Job als Führungskraft verfehlt, und da hilft mir der schönste Führungsstil der Welt kein Stück weiter. Führung heißt für mich, die anderen zu befähigen, ihnen die Fähigkeiten und die Verantwortung wirklich in die Hand zu geben, damit sie ihre Ziele auch zu ihren eigenen machen.

Und weil du dafür deine eigenen Muster kennen musst, noch eine ehrliche Geschichte, diesmal eine deutlich unbequemere. Ich war jahrelang praktisch ein Workaholic, der eigentlich nur noch für die Firma da war. Ich habe meine damalige Lebensgefährtin angerufen und gesagt, ich fahr jetzt los, ich bin gleich zu Hause, und blieb dann so tief in dem versunken, woran ich gerade saß, dass ich das Losfahren schlicht vergaß und erst anderthalb Stunden später wirklich aus dem Büro ging. Innerlich war ich total zerrissen. Angetrieben von solchen Sätzen wie „ohne mich läuft das hier nicht“ und „die anderen wissen doch gar nicht, wie es geht“, und ganz ehrlich, ein Stück weit wollte ich damals wohl auch einfach gefallen und gesehen werden. In meiner Durchsetzungsstärke bin ich von Natur aus eher niedrig ausgeprägt, und lange habe ich mich gefragt, warum ich abends eigentlich immer so vollkommen leer war, obwohl ich meine Sache doch wirklich gut gemacht habe. Heute weiß ich ganz genau, woran das lag: Ich habe die ganze Zeit gegen meine eigene Ausprägung angearbeitet. Und das war eben kein Makel, sondern einfach eine ziemlich wichtige Information, die mir damals viel zu lange gefehlt hat.

Und genau deshalb bringt dich die Frage „Welcher Typ bin ich denn nun eigentlich?“ ehrlich gesagt kein Stück weiter. Die Frage, die dich wirklich weiterbringt, ist nämlich eine ganz andere, und die habe ich dir ja weiter oben schon versprochen. Sie lautet ungefähr so: Welche Ausprägungen habe ich eigentlich wirklich, und was bedeuten die ganz konkret für die Art, wie ich führe, wie ich mit meinen Leuten rede und wie ich mit Druck umgehe, wenn es dann mal richtig eng wird?

Wie du deinen Führungsstil wirklich herausfindest

Um das für dich herauszufinden, gibt es im Grunde drei verschiedene Wege, und die unterscheiden sich vor allem darin, wie tief sie am Ende wirklich gehen.

Der schnellste davon ist ein kurzer Selbstcheck. Da bekommst du in wenigen Minuten schon mal eine erste Orientierung, wo deine persönlichen Schwerpunkte ungefähr liegen. Das ist noch keine tiefe Analyse und ganz sicher keine Schublade, sondern eher so eine Art Standortbestimmung, die einfach ein richtig guter Anfang ist. Zum Führungs-Selbstcheck →

Manche Dinge erkennt man allerdings gar nicht so sehr beim bloßen Ankreuzen, sondern eigentlich erst dann, wenn einem jemand das Ganze noch mal in Ruhe zurückspiegelt. Und genau dafür gibt es den Leadership-Assistenten, der dir ein paar wirklich kluge Fragen stellt und dir danach zeigt, was er aus deinen Antworten eigentlich so heraushört.

Und wenn du es dann irgendwann ganz genau wissen möchtest, also wirklich nicht in einer Farbe, sondern sauber auf Skalen und mit einem echten, persönlichen Auswertungsgespräch, dann ist Deep O.C.E.A.N. für dich der richtige Weg. Deep O.C.E.A.N. ansehen →

Das ist ein Stück deiner Reise

Und weißt du, all das, worüber ich hier eigentlich schreibe, gehört im Grunde zu einer einzigen großen Idee. Führung ist nämlich so eine Art Reise des Lebens, und du selbst sitzt dabei die ganze Zeit am Steuer. Deinen eigenen Führungsstil zu kennen, und damit ein gutes Stück deiner eigenen Persönlichkeit, ist am Ende wirklich nichts anderes, als ganz genau zu wissen, wie du selbst eigentlich fährst. Und wer das erst einmal für sich weiß, der kommt auf seiner Strecke einfach weiter, spürbar sicherer und vor allem mit deutlich weniger Verschleiß.

Reise-Kompass

Du bist hier: Selbstführung, den eigenen Stil verstehen.

Dein nächster Schritt: Finde in drei Minuten heraus, wo du auf den fünf Skalen deiner Persönlichkeit stehst.

Zum Führungs-Check →

Häufige Fragen

Welche Führungsstile gibt es?

Am bekanntesten sind bis heute die drei Stile nach Kurt Lewin: autoritär, kooperativ und laissez-faire. Dazu kommen neuere Modelle wie die transformationale, die transaktionale und die situative Führung sowie der patriarchalische, charismatische oder dienende Stil. In der Praxis nutzt kaum jemand nur einen einzigen davon, sondern eine ganz persönliche Mischung.

Welchen Führungsstil habe ich?

Ehrlich gesagt lässt sich das nicht mit einem einzigen Etikett beantworten, und genau das ist ja der Punkt. Deinen Führungsstil bestimmt kein fester Typ, sondern das Zusammenspiel deiner ganz persönlichen Ausprägungen auf mehreren Skalen. Einen ersten Eindruck bekommst du über einen kurzen Selbstcheck, richtig genau wird es dann mit einem wissenschaftlich fundierten Profil wie Deep O.C.E.A.N.

Welcher Führungstyp bin ich?

Streng genommen bist du eigentlich gar kein fester Führungstyp, und das ist sogar eine ziemlich gute Nachricht. Einteilungen in vier Farben oder ein paar Buchstaben vereinfachen einfach zu stark. Viel aussagekräftiger ist, wo genau du auf den einzelnen Persönlichkeitsskalen stehst, denn daraus ergibt sich am Ende, wie du wirklich führst.

Kann man seinen Führungsstil überhaupt ändern?

Deine Kernpersönlichkeit, die in den ersten Lebensjahren bis etwa zum fünften Geburtstag stark geprägt wird, bleibt über die Jahre hinweg ziemlich stabil, das stimmt schon. Dein konkretes Verhalten und deine eingefahrenen Muster kannst du aber sehr wohl verändern und mit der Zeit auch bewusst trainieren. Führungsstil ist also durchaus lernbar und veränderbar, auch wenn dir manches eben leichter fällt als anderen.

Sind Führungsstil-Tests denn grundsätzlich sinnvoll?

Als erste Orientierung sind sie durchaus in Ordnung, jedenfalls dann, wenn sie ehrlich gemacht sind. Kritisch wird es eigentlich erst, sobald ein Test dich in einen festen Typ steckt, denn dann wird er fast zwangsläufig ungenau. Achte also einfach darauf, dass er von Ausprägungen spricht und nicht von Schubladen.

Quellen und zum Weiterlesen

Du möchtest deinen Führungsstil nicht länger raten, sondern endlich wirklich verstehen? Dann lass uns im kostenlosen Erstgespräch einmal in Ruhe anschauen, wo du gerade stehst und was für dich der nächste sinnvolle Schritt sein könnte. Kostenloses Erstgespräch →